Nachsschlagewerk

Wie kann man das Robbenfell trocknen, also kurzgefasst die Geschichte von Schablonen

Wie kann man das Robbenfell trocknen, also kurzgefasst die Geschichte von Schablonen

Man könnte denken, dass die Malerschablone eine relativ neue Erfindung ist. Diese preiswertere Alternative für eine Tapete, die das Dekorieren von Innenräumen einfacher macht, hat jedoch eine viel längere Geschichte. Wann war der Anfang? Wer schuf die erste Schablone? Wofür wurde das Robbenfell benötigt? Diese Fragen werden wir im heutigen Beitrag beantworten.

Das Urbild der Schablone (stenciling) kann bereits in den prähistorischen Zeiten gesucht werden. Die ersten Höhlenmalereien – Handabdrücke von Neandertalern – entstanden bereits 35.000 Jahre v. Chr. Prähistorische Ureinwohner legten wahrscheinlich ihre Hände an die Höhlenwände an und bliesen rund um sie fein zerbröckeltes Pigment. Neben den Abdrücken sind auf prähistorischen Bildern Jagd-, Riten- und Alltagsszenen zu sehen. Die Einwohner von Fidschi fertigten Schablonen aus Bananenstaudenblättern und Bambus an. Sie dienten zum Verzieren von Stoffen aus Feigenbaumrinde (von Bewohnern als Tapa, Masi bzw. Uha bezeichnet). Der Arbeitsablauf war einfach – in den Blättern wurden Löcher nach einem bestimmten Muster ausgeschnitten und dann presste man Pflanzenfarbstoff durch sie auf einen früher vorbereiteten Stoff ein.

Schablonen wurden von Ägyptern ca. ab dem Jahr 2500 v. Chr. benutzt. Sie dienten zum Schmücken von ägyptischen Totengruften. Dafür wurde die Arbeit von mindestens drei Personen benötigt. Ein Künstler zeichnete an der Wand die Kontur eines Menschen bzw. einer Hieroglyphe, ein anderer Künstler schnitt diese ein, damit ein weiterer das Werk durch das Bemalen fertigstellen konnte. Die Etrusker benutzten Schablonen auf die aus Ägypten bekannte Weise. Die ältesten, bemalten, etruskischen Totengruften stammen aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr., die Bilder darauf zeigen jedoch eine größere Anzahl von Szenen aus dem reichen Leben der damaligen Oberschicht. Darüber hinaus sind etruskische Gefäße bekannt, die bis heute existieren und unter Verwendung von Schablonen bemalt wurden. Über Schablonen aus dem antiken Griechenland ist wenig bekannt. Die einzige, bekannte Einzelheit betrifft deren Gebrauch zum Umreißen von Mosaiken. Die alten Römer hingegen benutzten Schablonen zum Aufbringen von Namen auf Schildern. Römische Kaiser leisteten ihre Unterschriften dank deren Hilfe und lernten dabei schreiben.

Das im Titel erwähnte Robbenfell bezieht sich auf die Art und Weise, wie Schablonen der Eskimos von der Baffininsel angefertigt wurden. Das Fell musste gründlich gereinigt und nach dem Entfernen und Ansengen der Haare ausgetrocknet werden. Die Methode war jedoch kurzlebig, sodass keines der damaligen Erzeugnisse bis heute überstanden hat. Die aus Fell gemachten Schablonen waren sehr steif und bogen sich oftmals, sodass der Farbstoff einfach hinter die Kontur auslief. Die bei der Benutzung entstehenden Probleme führten dazu, dass die damaligen „Erfinder“ das Fell für eine zu wertvolle Ware hielten, die auf eine andere, praktischere Art verwendet werden sollte.

Ich versuche, die Herstellung der Schablone nachzuvollziehen.
Quelle: Canadian Museum of Civilization
, DORSET FINE ARTS

Einen immensen Einfluss auf die Entwicklung von Schablonen hatten China und Japan. Das erstere trug zur Erfindung des Papiers ca. im Jahr 105 v. Chr. bei, was erste Versuche der Anfertigung einer Papierschablone nach sich zog. Infolgedessen erfreuten sie sich großer Beliebtheit und wurden schnell zum wichtigsten Werkzeug für das Verzieren von Textilien. Es wurde auch eine neue Methode eingeführt, die auf Säuretinte basierte, dank der Schablonen angefertigt werden konnten, ohne dazu ein Messer zu verwenden. Die Japaner gingen zwei Schritte weiter, indem sie zierliche Schablonen mit menschlichen Haaren bzw. Seidenstoff kombinierten und die Technik der Textilverzierung perfektionierten, die später als Katazome bekannt wurde. Sie bestand darin, dass eine aus Reismehl zubereitete Paste auf die Schablone aufgetragen und auf einem Gewebe eingeprägt wurde. Das Pigment wurde durch manuelles Bemalen oder Eintauchen des Textils im Farbstoff hinzugefügt, während die zuvor aufgetragene Paste das gegebene Teil vor Einfärben schützte. Auf diese Weise erhielt man wesentlich günstigere und doch genauso schöne Textilien. Der weitere Schritt, den sie zur Entwicklung der Schablonenmalerei unternahmen, bestand im Kombinieren von Schablonen mit menschlichen Haaren bzw. Seidenstoff, woraus sich eine Technik herauskristallisierte, die gegenwärtig als Silk Screening bezeichnet wird. Dadurch haben sie das Problem des Zusammenfügens von separaten Projektteilen gelöst – es reichte, einfach ein Haar an die Schablone zu kleben und dadurch eine Verbindung zu schaffen, die jedoch genügend dünn war, um nach dem Abtrennen der Schablone praktisch unsichtbar zu bleiben. Die Erfindung des Papiers spielte für japanische Schablonenmacher noch eine weitere wichtige Rolle. Früher wurden Schablonen aus dünnen Bögen Maulbeerbaumrinde angefertigt, die im Persimonensaft gehärtet war. Anschließend wurden ein paar Stück gestapelt und mit einem scharfen, gebogenen Messer geschnitten. Dank der Erfindung des Papiers stieg die Schablonenherstellung an – es wurde möglich, ungefähr 60 Stück davon in einem Gang zu schneiden.

Schablonen aus Fernost gelangten in die europäischen Städte über Handelswege bereits im 5-6 Jh. n. Chr. In England dienten frühe Schablonen (auch Dublets genannt) hauptsächlich religiösen Zwecken. Sie sind an Wandschirmen, Wandbildern und Gewändern zu finden und wurden aus Fell, Wachstuch oder Weichmetall angefertigt. Die Zeit der Kreuzzüge und mittelalterlichen Eroberungskriege verursachte, dass Schablonen hauptsächlich als Muster zum Malen von religiösen Bildern bzw. Christusmonogrammen auf Altären und liturgischen Gewändern benutzt wurden. Ein Durchbruch für die Benutzung von Schablonen in Europa erfolgte mit der Erfindung der Druckpresse. Zu dieser Zeit tauchten auf dem ganzen Kontinent Musterkataloge mit Schablonen auf. Ihre vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten machten es möglich, sie für das Verzieren von Möbeln, in der Stickerei und für die Herstellung von Spielkarten einzusetzen. Von diesen zuletzt genannten wurden französische Handwerker inspiriert, darunter Jean-Baptiste Papillon, die weltweit erste Tapete aus Schablonen zu kreieren (dominoes). Die damaligen Tapeten wurden in ca. 100x50cm großen Teilen angefertigt und das Schablonieren erfolgte direkt vor ihrem Anbringen an einer Wand, was zur Folge hatte, das das Muster nicht immer mit der ursprünglichen Idee übereinstimmte. Die gängigsten Muster waren in dieser Periode vor allem Wappen, fleurs-de-lis, Monogramme, aber auch Sonnen, Sterne und geometrische Formen. Die Schabloniertechnik stand jedoch in der Kritik seitens der damaligen Handwerker – sie wurde als ein faulenzerisches Handwerk angesehen, das die Malkunst untergrub und das Ideenreichtum einschränkte.

Schablone, Spätmittelalter, Abtei Meaux
Quelle: British Museum

Erste Ansiedler im Nordamerika konnten sich importierte Tapeten und verzierte Möbel nicht leisten. Sobald die Menschen Zeit und Geld zum Verschönern ihres Umfelds hatten, fingen sie an, mithilfe von Schablonen gemachte Verzierungen für Wände und sogar für Fußböden zu verwenden. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Schablonen oftmals auch auf anderen Flächen verwendet. Dazu gehörten Stoffe, insbesondere Bett- und Tischbezüge, Möbel und Haushaltsartikel, wie Tabletts, Kisten und Truhen aus Blech und Holz.

Quelle: Brian J. McMorrow, Shelburne Museum

Ende des 19. Jahrhunderts wurden Schablonen als Dekorationskunst von den damaligen Künstlern aufgegeben. Die Art-déco-Phase (20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts) war die Zeit der Rückkehr der Mode für diese Produkte. Französische Verleger benutzten sie damals zur Trennung von Farben bei der Anfertigung von Buchillustrationen. Handwerker, die Werke der Fauvismus-Maler, wie Derain, nachbildeten, schnitten separate Schablonen für jeden Farbton aus. Mithilfe von Schablonen wurden auch Abdrucke der Gemälde von Picasso hergestellt. Die Muster wurden durch Werbung und Bücher populär, sodass Menschen sie auch an ihren Wänden haben wollten. Im Jahr 1936 benutzte sogar Harper‘s Bazaar eine Schablone für das eigene Logo. Dies war jedoch nur eine kurze Beliebtheitsphase. Erst Ende der 70er Jahre kamen Schablonen wieder in Mode, da Tapeten für langweilig gehalten wurden.

Quelle: Nakleo

Inspirierende Muster aus unseren Schablonenkollektionen…